Frau sitzt vor einem Pferd.

Ich wollte Kunden. Bekommen habe ich etwas viel Besseres.

Inhaltsverzeichnis

Ich weiß noch genau, wie ich das erste Mal auf das Profil eines Pferde-Influencers geschaut habe, mit dem ich unbedingt einmal zusammenarbeiten wollte. Zehntausende Follower, Likes ohne Ende und Kommentare im Sekundentakt. Und natürlich kam sofort dieser Gedanke, den wahrscheinlich jeder Fotograf irgendwann einmal hat: Wenn davon nur ein Bruchteil ein Shooting bucht, brauche ich einen größeren Kalender.

Klang logisch. Fand ich zumindest.

Also habe ich angefangen, mit Pferde-Influencern zusammenzuarbeiten. Nicht mit irgendwelchen, sondern mit Menschen, deren Stil mir gefällt, die ihre Pferde lieben und Lust haben, gemeinsam etwas Besonderes umzusetzen. Als die ersten Bilder online gingen, wurde ich ehrlich gesagt ein bisschen nervös. Ich habe ständig aufs Handy geschaut, die Likes beobachtet und mich gefragt, ob die Bilder überhaupt ankommen.

Die Antwort kam schneller als gedacht. Die Reichweite war gigantisch. Die Zahlen gingen durch die Decke und ich saß da und habe mir ausgerechnet, was passiert, wenn jetzt nur einer von tausend Menschen ein Shooting buchen möchte. Für einen kurzen Moment hatte ich einen kleinen Panikausbruch und sah meinen Kalender innerlich schon komplett voll.

Tja.

Das Handy vibrierte. Stundenlang. Für alles außer Buchungsanfragen.

Meine Rechnung war eigentlich perfekt

Wenn ich heute darüber nachdenke, muss ich selbst ein bisschen lachen.

In meinem Kopf war die Sache nämlich glasklar.

Da arbeitet man mit jemandem zusammen, der 50.000 oder sogar 100.000 Follower hat, veröffentlicht ein paar richtig starke Bilder und wartet anschließend darauf, dass die Anfragen kommen.

Klingt doch logisch, oder?

Damals fand ich das jedenfalls.

Ich habe mir ernsthaft ausgerechnet, wie viele Menschen meine Bilder sehen würden. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto besser wurde meine Laune. Schließlich musste von diesen Menschen doch jemand ein Pferd besitzen, ein Shooting wollen und zufällig genau in meine Richtung wohnen.

Rückblickend war meine Rechnung gar nicht falsch.

Ich hatte nur eine Kleinigkeit vergessen. Menschen klicken deutlich schneller auf ein Herzchen, als sie mehrere hundert Euro für ein Pferdefotoshooting ausgeben.

Das habe ich allerdings erst gelernt, nachdem die ersten Bilder online waren.

Die ersten Bilder waren allerdings anders als alles, was ich bis dahin fotografiert hatte.

Versteh mich nicht falsch: Ich liebe meine Kundenshootings. Sonst würde ich diesen Job wahrscheinlich schon lange nicht mehr machen. Ich liebe Pferdemenschen. Ich liebe den Austausch. Und ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten, die genauso pferdeverrückt sind wie ich.

Aber bei einem Kundenshooting habe ich einen Auftrag. Die Kundin investiert Geld und natürlich möchte sie am Ende genau die Bilder bekommen, die sie sich vorgestellt hat.

Bei einem Influencer-Shooting läuft das oft anders.

Da entsteht plötzlich Raum für Ideen, die man vorher nicht geplant hat. Für verrückte Einfälle. Für ein „Lass uns das einfach mal ausprobieren.“

Und genau das hat mich von Anfang an fasziniert.

Dann kam Maria

Ich glaube, jeder Fotograf hat diese eine Situation erlebt, in der er sich ein Bild anschaut und denkt:
„Hm … weiß nicht.“

Genau so ging es mir bei einem Shooting mit Maria.

Sie betritt den Stall und alle schauen hin. Sie bringt eigene Ideen mit und weiß ziemlich genau, was sie möchte. Das macht die Zusammenarbeit wahnsinnig angenehm, weil man nicht jede Kleinigkeit erklären muss. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass manchmal Ideen auf dem Tisch landen, die außerhalb der eigenen Komfortzone liegen.

In unserem Fall hieß diese Komfortzone: Blitzen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eher natürliches Licht liebe. Sonnenuntergänge, schönes Gegenlicht, weiches Licht im Wald oder auf der Koppel. Blitzlicht war nie wirklich meine große Liebe. Mir war das oft zu hart, zu direkt und irgendwie nicht das, was ich normalerweise fotografiere.

Maria wollte allerdings schon lange Bilder vor schwarzem Hintergrund in einer Stallgasse. Dazu ein Outfit aus Lack und Leder. Dramatisch. Kraftvoll. Anders.

Also haben wir aufgebaut.

Die ersten Bilder waren im Kasten und während Maria schon völlig begeistert hinter mir stand, habe ich auf das Kameradisplay geschaut und gedacht:

„Puh … ich weiß ja nicht.“

Maria dagegen war sofort Feuer und Flamme.

„Genau so habe ich mir das vorgestellt!“
„Die sind der Hammer!“
„Genau DIE wollte ich immer haben!“

Und ich?

Ich war noch nicht überzeugt.
Wirklich nicht.
Ich habe sogar mehrfach nachgefragt, ob sie sich sicher ist.

War sie. Sehr sicher.

Erst als ich später zu Hause vor dem großen Bildschirm saß und die Bilder in Ruhe bearbeitet habe, kam dieser Moment, den wahrscheinlich jeder Kreative kennt.

Plötzlich sieht man etwas völlig anderes.

Und auf einmal dachte ich: „Verdammt … sie hat Recht.“
Die Bilder waren stark. Anders als alles, was ich bis dahin gemacht hatte. Und genau das war der Punkt.

Ohne dieses Shooting hätte ich mich wahrscheinlich nie an diese Bildidee herangewagt. Nicht weil sie schlecht war, sondern weil man im Alltag oft in den Dingen hängen bleibt, die funktionieren.

Man macht das, was man kann. Man fotografiert das, was Kunden lieben. Und genau deshalb sind diese Shootings für mich so spannend.

Sie zwingen mich dazu, Dinge auszuprobieren, die ich alleine wahrscheinlich nie umgesetzt hätte.

Kreativität kann man nicht planen

Das Lustige ist ja: Eigentlich wollte ich durch diese Shootings Kunden gewinnen.

Heute freue ich mich auf etwas ganz anderes.

Ich freue mich auf die Gespräche davor. Auf die Nachrichten, die plötzlich um Mitternacht auf dem Handy auftauchen, weil irgendjemand wieder eine verrückte Idee hatte. Auf das gemeinsame Planen. Auf das „Was wäre eigentlich, wenn …?“

Denn genau dort entstehen meistens die besten Bilder.

Bei einem Kundenshooting läuft das naturgemäß etwas anders. Dort habe ich einen Auftrag. Jemand investiert Geld, vertraut mir und möchte am Ende Bilder bekommen, die genau zu ihm und seinem Pferd passen.

Das liebe ich übrigens genauso.

Aber bei einem Influencer-Shooting entsteht oft etwas völlig anderes.

Da sitzt man plötzlich zusammen und diskutiert ernsthaft darüber, ob ein Pferd vor schwarzem Hintergrund besser wirkt, wenn der Hals einen Tick weiter nach links gedreht ist. Oder ob das Glitzer-Outfit besser zum zweiten Pferd passt als zum ersten. Und während normale Menschen wahrscheinlich denken würden, dass wir komplett verrückt geworden sind, finden wir das völlig logisch.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diese Shootings so gerne mache.
Weil dort Ideen entstehen dürfen. Nicht jede Idee funktioniert. Nicht jedes Bild wird ein Meisterwerk.

Aber genau das macht es spannend.

Der Teil, den niemand auf Instagram sieht

Wenn später die fertigen Bilder online gehen, sieht man immer nur das Ergebnis.

Das fertige Bild. Das perfekte Outfit. Das wunderschöne Pferd.
Was man nicht sieht, sind die Stunden davor.
Die 1000 Nachrichten. Die stundenlange intensive Planung. Die Diskussionen über Kleider, Farben, Locations und Bildideen.

Das Shooting beginnt nicht am Set. Es beginnt in den Nachrichten um Mitternacht.

Debby und Maria könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Maria viel Energie mitbringt, den Raum sofort ausfüllt und oft schon ganz genaue Vorstellungen im Kopf hat, ist Debby eher der ruhige Typ. Etwas entspannter, etwas kuschliger und trotzdem genauso perfektionistisch, wenn es um die Bilder geht.

Und genau das liebe ich. Jeder bringt etwas anderes mit. Jeder sieht Bilder anders. Jeder inspiriert mich auf seine eigene Art. Trotzdem haben alle erfolgreichen Influencer, mit denen ich bisher gearbeitet habe, eine Gemeinsamkeit.

Sie nehmen das Ganze ernst.
Nicht verbissen. Aber professionell.

Da wird nicht einfach irgendein Oberteil aus dem Schrank gezogen und losfotografiert. Da wird überlegt, welches Outfit zu welchem Pferd passt, welche Farben harmonieren und welche Bildwirkung entstehen soll. Und spätestens wenn das fünfte Outfit aus dem Auto geholt wird, weißt du, dass du heute nicht nach einer Stunde wieder zu Hause bist.

Aber genau das macht den Unterschied. Die Bilder entstehen nicht zufällig.

Weil niemand das fünfte Outfit aus dem Auto holt, wenn er einfach nur Fotos will. Naja gut, manchmal schon….

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Shootings am Ende oft so besonders werden. Weil niemand dort ist, um einfach nur ein paar Fotos zu machen.
Wir wollen alle dasselbe.

Etwas erschaffen, das man sich auch in fünf Jahren noch gerne anschaut.

Wie meine Influencer-Shootings entstehen

Viele denken wahrscheinlich, dass solche Shootings monatelang geplant werden oder dass ständig Influencer bei mir anfragen.

Ganz ehrlich?
Beides stimmt nicht wirklich.

Manchmal sehe ich ein Pferd, ein Outfit oder einfach einen Menschen und habe plötzlich eine Bildidee im Kopf. Dann sitze ich da, scrolle durch Instagram und denke mir:

„Verdammt, das würde gut aussehen.“

Und manchmal entsteht aus einer einzigen Nachricht plötzlich ein komplettes Shooting.

Wahrscheinlich hilft es mir dabei, dass ich die Pferdewelt nicht erst seit gestern kenne. Mein eigenes Pferd war ein Appaloosa, ich bin selbst Western geritten und habe viele Jahre Turniere fotografiert. Nicht ein oder zwei im Jahr, sondern so viele, dass ich irgendwann gefühlt jeden zweiten Reiter in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zumindest vom Sehen kannte.

Irgendwann verschwimmen da die Grenzen. Aus Turnierreitern werden Trainer. Aus Stallbekanntschaften werden Freunde. Und aus manchen werden Influencer.

Deshalb entstehen viele meiner Ideen auch nicht am Schreibtisch. Sie entstehen irgendwo zwischen Pferden, Reitplätzen, Instagram und dem völlig normalen Wahnsinn unserer Pferdewelt.

Was mich dabei interessiert, ist übrigens nicht die Followerzahl.

Früher vielleicht. Heute nicht mehr.
Heute frage ich mich eher:
Passt die Person zu meiner Bildidee? Hat das Pferd Ausstrahlung? Haben wir dieselbe Vorstellung von guten Bildern?

Und vor allem:

Haben wir Lust, gemeinsam etwas auszuprobieren?

Denn genau daraus entstehen am Ende die Shootings, die mir bis heute am meisten im Kopf geblieben sind.

Warum ich nur wenige Influencer-Shootings im Jahr mache

Wenn ich ehrlich bin, könnte ich wahrscheinlich deutlich mehr solcher Shootings machen. Die Ideen gehen mir jedenfalls nicht aus. Eher im Gegenteil.
Das Problem ist eher, dass mein Tag genauso viele Stunden hat wie deiner.

Neben der Fotografie habe ich noch einen ganz normalen 40-Stunden-Job. Die Fotografie läuft bei mir im Nebengewerbe und deshalb finden die meisten Shootings am Wochenende statt. Genau dort stehen aber auch meine Kundenshootings im Kalender, die natürlich Vorrang haben.

Und ganz ehrlich? Das ist auch gut so. Denn genau deshalb haben diese Influencer-Shootings für mich bis heute etwas Besonderes behalten. Ich freue mich Wochen vorher darauf.
Nicht weil ich glaube, dass danach plötzlich tausend neue Kunden vor der Tür stehen. Diesen Denkfehler habe ich inzwischen hinter mir gelassen.

Ich freue mich darauf, weil ich weiß, dass an diesem Tag etwas entstehen kann, das ich vorher noch nie fotografiert habe.

Ein neues Blitzkonzept, eine Location, die ich vorher nie in Betracht gezogen hätte.

Oder manchmal einfach nur ein Bild, bei dem ich später vor dem Bildschirm sitze und denke:
„Okay … das war die ganze Mühe wert.“
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diese Shootings bewusst begrenze. Nicht als Marketingstrategie. Nicht um künstlich rar zu wirken. Sondern weil besondere Dinge ihren Reiz verlieren, wenn sie alltäglich werden.

Ich möchte neugierig bleiben. Ich möchte mich auf jedes einzelne Shooting freuen. Und ich möchte auch in fünf Jahren noch dieses Kribbeln haben, wenn ich eine neue Idee im Kopf habe und mich frage:

„Ob das wohl funktioniert?“

Denn genau in diesem Moment entstehen meistens die besten Bilder.

Was ich durch Pferde-Influencer wirklich gelernt habe

Wenn ich heute auf meine ersten Influencer-Shootings zurückblicke, muss ich über mich selbst ein bisschen schmunzeln. Nicht wegen der Bilder. Die finde ich heute noch großartig.
Sondern wegen meiner Erwartungen.

Ich war fest davon überzeugt, dass Reichweite automatisch zu Kunden führt. Dass irgendwo zwischen diesen zehntausenden Followern plötzlich eine Warteliste entsteht und ich überlegen muss, wie ich all die Shootings überhaupt unterbekomme.

Die Realität sah etwas anders aus.
Das Handy vibrierte. Stundenlang. Für alles außer Buchungsanfragen.

Und weißt du was?

Heute stört mich das überhaupt nicht mehr. Denn rückblickend habe ich etwas viel Wertvolleres bekommen.

Ich habe gelernt, neue Dinge auszuprobieren. Ich habe gelernt, meiner eigenen Kreativität wieder mehr Raum zu geben und manchmal auch über meinen eigenen Schatten zu springen. Ohne Maria hätte ich wahrscheinlich nie mit Blitzlicht in einer Stallgasse experimentiert. Und ohne diese Shootings wären einige meiner Lieblingsbilder niemals entstanden.

Vor allem habe ich aber Menschen kennengelernt, die genauso verrückt sind wie ich.

Menschen, die über Licht diskutieren können, als würde davon die Welt abhängen. Menschen, die fünf Outfits zum Stall mitbringen und trotzdem noch überlegen, ob ein sechstes vielleicht besser wäre. Menschen, die für eine Bildidee genauso brennen wie ich.

Und genau deshalb freue ich mich bis heute auf jedes einzelne dieser Shootings. Nicht wegen der Reichweite. Nicht wegen der Likes.
Sondern wegen dem, was davor, währenddessen und danach entsteht.
Die Bilder sind am Ende nur das sichtbare Ergebnis.

Das Shooting beginnt nicht am Set. Es beginnt in den Nachrichten um Mitternacht.

Und wer weiß …

Wenn mich heute jemand fragt, ob sich die Zusammenarbeit mit Pferde-Influencern lohnt, dann antworte ich wahrscheinlich ganz anders als noch vor ein paar Jahren.

Finanziell? Eher weniger, als viele denken.

Kreativ? Mehr, als ich jemals erwartet hätte.

Denn am Ende sind genau diese Shootings die, über die ich noch Wochen später nachdenke. Die Shootings, bei denen plötzlich neue Ideen entstehen. Die Shootings, bei denen man sich am Ende die Bilder anschaut und denkt:

„Genau deshalb liebe ich diesen Job.“

Und vielleicht ist das manchmal sogar mehr wert als der nächste Auftrag.
Zumindest für mich.

Deshalb werde ich auch in Zukunft immer wieder Platz für solche Projekte schaffen. Nicht jeden Monat. Nicht jedes Wochenende. Aber immer dann, wenn die richtige Idee auf das richtige Pferd und die richtige Person trifft.

Und falls du gerade diesen Artikel liest, kurz zu deinem Pferd schaust und denkst:

„Eigentlich hätten wir auf sowas auch mal Lust …“

Dann behalte diesen Gedanken ruhig. Ich liebe besondere Pferde. Ich liebe kreative Menschen.
Und ich liebe Ideen, bei denen man am Anfang noch nicht weiß, ob sie überhaupt funktionieren werden.

Die besten Bilder entstehen nämlich meistens genau dort.

In diesem Sinne …

Vielleicht sieht man sich ja irgendwann mal am Stall. 😉

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